Persönliche Einblicke aus dem Iran und Debatte mit BBV-Präsident Felßner über landwirtschaftliche Probleme und Chancen an der Höheren Landbauschule Rotthalmünster
Die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten spüren inzwischen auch die Landwirte vor Ort: Düngemittel werden teurer, Lieferketten sind gestört und damit rückt der Iran als Produzent von Energie und Rohstoffen in den Fokus. Auf Veranlassung von Helmut Ramesberger, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Passau (AELF), berichtete im März 2026 die gebürtige Iranerin Shima Z., heute wohnhaft und gut integriert im Landkreis Passau, an der Höheren Landbauschule Rotthalmünster (HLS) sehr persönlich und eindrücklich über ihr Heimatland. „Der Iran ist ein vielfältiges Land: Baden am Kaspischen Meer ist ebenso möglich wie Skifahren in den Bergen“, berichtete sie und fügte hinzu: „Wirtschaftlich gesehen ist das Land einer der größten Energieproduzenten der Welt, mit reichen Vorkommen an Öl und Gas und einer strategisch wichtigen Lage an der Straße von Hormus.“
Bis 1979 galt der Iran in vielen Bereichen als relativ fortschrittlich. Mit dem Sturz der Pahlavi‑Dynastie und der Machtübernahme durch Ayatollah Khomeini vollzog sich jedoch ein grundlegender Wandel; in der Folge entwickelte sich das Land zu einem streng islamisch geprägten Staat, in dem sich Alltag, Rechte und Lebenswege vieler Menschen tiefgreifend veränderten. Anhand ihrer eigenen Familiengeschichte — die Referentin schilderte, dass sie und ihre drei Geschwister auswanderten — machte sie nachvollziehbar, wie sehr politische Umbrüche individuelle Schicksale prägen können.
Etwa 13 % des BIP und rund 15 % der Erwerbstätigen entfallen darauf, wobei Spezialkulturen wie Safran — den der Iran zu rund 90 % des Weltangebots liefert — und Pistazien von großer Bedeutung sind. Die Tierhaltung konzentriert sich vorwiegend auf Schafe, Ziegen und Rinder und Geflügel, Schweine werden aus religiösen Gründen nicht gehalten. Als größtes Problem wurde die akute Wasserknappheit genannt: Ein Großteil der Landwirtschaft ist bewässerungsabhängig. Hinzu kommen wirtschaftliche Herausforderungen wie hohe Inflation, Währungsabwertung und breite Armut. Die Studierenden der HLS zeigten sich tief beeindruckt von den lebendigen und oftmals unter die Haut gehenden Erzählungen. Klassensprecher Christoph Lechner dankte im Namen aller und resultierte: „Solche Berichte erden uns und relativieren viele Probleme, die wir sonst im Alltag als wichtig empfinden.“
Die Studierenden hatten Fragen vorbereitet, auf die die beiden Fachleute ausführlich antworteten. Zu den sogenannten „roten Gebieten“ plädierte Felßner für ein einheitliches, ehrliches System mit möglichst geringer Bürokratie. Zur Stärkung von Frauen in der Landwirtschaft nannte er ein klares Ziel: Bis 2035 sollen 20 % der Betriebe von Frauen geleitet werden. Dies wolle der BBV zum Beispiel mit Werbemaßnahmen und Familienunterstützungsangeboten vorantreiben.
Beim Thema Biotope machte er deutlich, dass die Eigentümer der landwirtschaftlichen Flächen mit eingebunden werden sollen; Biodiversität sei ein gesellschaftliches Interesse und Wertminderungen müssten ausgeglichen werden. Bei Gewässerrandstreifen forderte Felßner eine einheitliche Regelung, die nicht von einem Wust aus verschiedenen Gesetzen und Verordnungen abhängig ist – ein klares Plädoyer für Entbürokratisierung.
Auf die Frage nach den größten Investitionspotenzialen verwies Felßner vorrangig auf die Tierhaltung: Steigende Nachfrage nach Milch bei sinkenden Tierzahlen biete Chancen. Auch die Schweinehaltung und die Geflügelwirtschaft hätten Potenzial. Daneben nannte er regenerative Energie (etwa Biomasse) sowie Nischen in der Bioökonomie als interessante Felder. Er äußerte jedoch Skepsis gegenüber spekulativen Geschäften mit CO2‑Zertifikaten. Sein klarer Rat an die Zuhörer lautete: „Investiert nur in das, wofür ihr brennt.“ Er ergänzte: „Gute Unternehmer investierten azyklisch, achteten auf hohe Standards und suchen dauerhafte Partner.“
Abschließend bedankte sich Schulleiter Fabian Werner für die leidenschaftliche und konstruktive Diskussion und lud zum gemeinsamen Abendessen ein, bei dem weitere Themen wie Grünlandumbruch, Ausgleichsflächen und Rehkitzunfälle bei der Wiesenmahd thematisiert wurden.