Höhere Landbauschule veranstaltet Elternseminar
Der landwirtschaftliche Hof als Familienprojekt

Nach rund einem halben Jahr an der Höheren Landbauschule Rotthalmünster (HLS) nähern sich die Studierenden dem Abschluss, und für viele stellt sich die Frage, wie es mit dem elterlichen Betrieb weitergeht. Weil eine gelungene Hofübergabe und ein konstruktives Miteinander zwischen den Generationen entscheidend sind, hatte die HLS Anfang 2026 zu einem Elternseminar eingeladen, das praktische Tipps, fachliche Impulse und Raum für Austausch bot. Schulleiter Fabian Werner eröffnete die Veranstaltung mit Hinweisen zum „Richtig streiten in Familie und Betrieb“ und betonte die Bedeutung klarer Absprachen und guter Kommunikation.

Im Vortrag „Generationskonflikte vermeiden“ erläuterte Leopold Ritzinger vom Bayerischen Bauernverband, wie eine Hofübergabe vorbereitet werden kann, und schilderte seine Erfahrungen mit Mediation: „Die Frage der Hofübergabe ist weit mehr als nur die Klärung der Aufgabenverteilung, der Abfindung und Altersvorsorge. Der Schlüssel für eine langfristig gute Kooperation liegt im Verstehen der eigenen und fremden Bedürfnisse.“ Ergänzend berichtete Anna Nagl, Leiterin der Ländlichen Familienberatung im Bistum Passau, von ihrer Begleitung bäuerlicher Familien: „Eine Hofübergabe ist ein einschneidendes Erlebnis. Vieles ist durchzudenken, bis der Termin ansteht,“ erklärte Nagl. Diese Veränderungen im Familiensystem könne die LFB begleiten und zu einem erfolgreichen Abschluss führen.

In einem moderierten Workshop unter der Leitung der HLS Lehrerinnen Bianca Simmet und Jessica Becker arbeiteten Eltern sowie Schülerinnen und Schüler zunächst getrennt voneinander und anschließend im gemeinsamen Austausch an der Frage „Was gefällt – was ginge besser? Wünsche und Erwartungen.“ Überraschend ähnlich fielen die Ergebnisse der Generationen aus: Beide Seiten wünschen sich vor allem offene Kommunikation und gegenseitiges Verständnis. Die Eltern zeigten sich stolz auf das Engagement der jungen Menschen, die trotz der Herausforderungen der Branche den Beruf ergreifen; die jüngere Generation wiederum äußerte den Wunsch nach mehr Wertschätzung und hinterfragte dabei das bayerische Motto „ned g‘schimpft, is g‘lobt g‘nua“.

Mit viel Humor und zugleich ernsten Einsichten gaben die Lebens , Sozial und Familienberater Susanne Fischer und Erhard Reichsthaler neue Perspektiven: Sie machten deutlich, wie wichtig die Trennung von Familien und Arbeitssystem ist und dass klare Rollenverteilungen zu einem funktionierenden Familienteam beitragen. „Wenn ich mich in ein System einmische, wo ich nicht dazugehöre, dann tut das dem System nicht gut und mir auch nicht“, so Fischer. Reichsthaler ergänzte, dass ein gutes Familienteam auch dann entstehe, wenn für alle klar sei, wer Chef und wer Mitarbeiter sei. „Einen Ausgleich für die Arbeit solle auf jeden Fall geleistet werden. Dieser müsse nicht immer finanzieller Natur sein“, fügte er hinzu.

Zum Abschluss dankte Fabian Werner allen Beteiligten und hob hervor, dass die Rückkehrer mit dem Abschluss als Agrarbetriebswirte gut ausgebildet und auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit seien. „Offenheit für Neues und die Möglichkeit, Fehler zu machen, sind wichtige Voraussetzungen, damit sich Betriebe weiterentwickeln können,“ so Werner.

Die Resonanz der Eltern fiel durchweg positiv aus: Neben dem fachlichen Input schätzten sie die Gelegenheit, die Schule, die Lehrkräfte und das viel gelobte Essen an der HLS kennenzulernen. Bei Kaffee, Kuchen und guten Gesprächen ließen die Familien den ereignisreichen Tag ausklingen.

Besucherstimmen:

3 Personen stehen nebeneinander
Familie Niedermair mit Sohn Simon aus Rosenheim
Vater: „Der Tag hat mich in einigen Punkten aufgerüttelt und mir klar gemacht, dass die Grundlage für einen erfolgreichen Betrieb ist, dass es familiär passt. Dann macht die Arbeit auch Freude.“
Mutter: „Jeder muss Verständnis für den anderen haben und darf seinen eigenen Bereich haben, den die anderen akzeptieren müssen. Das Wichtigste ist Toleranz.“
Familie Ebner mit Tochter Antonia aus Kirchdorf im Wald, Lkr. Regen
Vater: „Die Schule zu sehen war interessant. Man muss offen sein, für das was die Kinder lernen und diese das auch umsetzen lassen.“
Mutter: „Es war auch schön, sich mit anderen Eltern auszutauschen.“
Familie Bachmeier mit Sohn Thomas aus Leiblfing, Landkreis Straubing-Bogen
Vater: „Mir hat der Tag sehr gut gefallen. Ich war 1984/ 85 selbst Schüler an der HLS und ich bin beeindruckt, wie sich das Niveau der Schule über die Jahre auf einem Top-Level gehalten hat. Man merkt, dass hier alle – von der Küche bis zum Chef – ein außergewöhnliches Engagement einbringen.“
Mutter: „Die Vorträge waren sehr hilfreich. Man bekommt etwas für das Verhalten miteinander an die Hand. Interessant war auch, dass sich die Anliegen von Eltern und Schülern nicht unterscheiden.“